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Pharmakologische Ansätze

Enzymersatztherapien (ERT):

Bei dieser Therapie werden Ersatzenzyme verabreicht. Dabei werden sogenannte rekombinante Enzyme injiziert, die die fehlenden Enzyme ersetzen. In Europa wird diese Therapie bei einigen Krankheiten angewendet, beispielsweise bei Morbus Gaucher Typ I und bei Morbus Fabry. Im Moment laufen klinische Studien für Mukopolysaccharidosen der Typen I, II und IV und für Glykogenosen Typ II bei Kindern und Jugendlichen. Es stehen ausserdem Studien für Morbus Niemann-Pick Typ B an.

Die Synthese des rekombinanten Enzyms zur Behandlung des Sanfilippo-Syndroms ist bereits gelungen. Der grösste Einschränkungsfaktor für dessen Effektivität ist jedoch die Schwierigkeit, es in das Gehirn einzuschleusen. Die im Moment bei der Enzymersatztherapie verwendeten Medikamente können nicht durch die Blut-Hirn-Schranke dringen und lindern daher nur die krankheitsbedingten körperlichen Leiden, ohne aber das zentrale Nervensystem als solches zu behandeln.
Wissenschaftler suchen jetzt neue Wege, dieses Problem zu umgehen. Ihre Strategien beinhalten z. B. die Suche nach neuen Rezeptoren, Methoden zur Beeinflussung der Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, die Nutzbarmachung des Transzytose-Prozesses oder die Gabe einer intrazerebralen Injektion, bei der eine kleine Injektionskammer eingesetzt werden soll, um wiederholte Blutabnahme und Blutverlust zu vermeiden.

Die Kammer würde unter Vollnarkose implantiert. Sie soll voraussichtlich aus einer Art kleine Tasche im Bauchraum unter der Haut und einem drahtdicken Schlauch bestehen, der ins Gehirn führt. Diese Methode wird auch bei Chemotherapien angewendet, bei denen der Schlauch jedoch, im Gegensatz zur Behandlung von Stoffwechselerkrankungen, nur kurze Zeit im Körper verbleiben muss.

 

 

Stopcodon-Readthrough :

Bestimmte Verbindungen wie Aminoglykoside können ein vorzeitiges Ende der Eiweissproduktion, die durch eine sinnentstellende Mutation verursacht wird, verhindern. Das Prinzip des Readthrough (Ablesens) besteht in der Eliminierung eines Stopcodons während der Translation der RNS und der teilweisen Wiederaufnahme der Produktion des fehlenden Enzyms.

 

Nutzung chemischer, für das aktive Zentrum des Enzyms spezifischer Molekular-Chaperone:

Die Steigerung der Restaktivität scheint zumindest für einige Patienten ein vielversprechender Ansatz zu sein, z. B. durch Einsatz von Galaktose in bestimmten Fällen des Morbus Fabry.
Dieser Ansatz könnte möglicherweise gegen sinnentstellende Mutationen verwendet werden. Er ist im Hinblick auf das Sanfilippo-Syndrom noch wenig erforscht, könnte sich jedoch langfristig als äusserst nützlich erweisen.
Diese Forschungsprogramme geben uns allen ein wenig Hoffnung, aber wir können nicht passiv auf die Ergebnisse warten. Wir müssen aktiv Beiträge leisten, so gut wir können, um die Programme so schnell wie möglich voranzutreiben. Denn in der Zwischenzeit schreitet die Krankheit stetig voran.